JODI, Folding Screen Study, 2011, performance video, 13:36 min

JODI, Wrongbrowser, version 2011, website, variable size

Aram Bartholl, dust, 2011, 3D-model (1:50, cardboard) of the spatial environment of the computer-game Counterstrike

Aram Bartholl, DeadDrops, since 2010, public intervention

Aram Bartholl (left), JODI (right), Ready for Upgrade, exhibition at [DAM] Cologne 2011

Köln - Ready for Upgrade

Aram Bartholl & JODI

10. September - 29. Oktober 2011

Eröffnung: 9. September, 18 - 22 Uhr

Die Künstler sind zur Eröffnung anwesend.

Ausstellung: 10. September - 29. Oktober 2011

Sonderöffnungszeiten DC-OPEN:

Samstag, 10. September, 12 - 20 Uhr

Sonntag, 11. September, 12 - 18 Uhr

Mit Ready for Upgrade stellt [DAM]Cologne in einer ersten gemeinsamen Gruppenausstellung drei Künstler vor, die sich intensiv mit Internetkultur und dem Erscheinungsbild des Internets auseinander setzen. Das Künstlerpaar JODI gehört zu den wichtigsten Vertretern der Netzkunst. Seit dem Aufkommen des Internets irritieren und faszinieren sie den Betrachter mit ihren unbequemen, überraschenden Arbeiten und Performances. Ihre Werke sind die Avantgarde des Computerzeitalters, Meilensteine im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Aram Bartholl fasst seine Arbeiten mit der Aussage "Netzdatenwelt versus Alltagslebensraum" zusammen. Das Spannungsverhältnis von öffentlich und privat, online und offline, von Technologieverliebtheit und Alltagsleben ist Kern seines Schaffens. In Form von Interventionen und Installationen vorwiegend im öffentlichen Raum untersucht er das Zusammentreffen von Realität und digitaler Welt.

Aram Bartholl (*1972, Bremen) zeigt neben dem viel diskutierten und erfolgreichen Projekt DeadDrops, mit der er zur Zeit an der Ausstellung Talk to Me des MoMA in New York vertreten ist, die Arbeit Are you human? bestehend aus in Aluminium ausgeführten Schriftzügen von CAPTCHA Codes. Diese Codes sind fester Bestandteil von Internetbuchungen und -anfragen. CAPTCHA kann als Versuch einer Maschine gewertet werden zu erkennen, ob es ein menschliches Gegenüber hat. Webbasierte Dienste entscheiden anhand einer richtigen oder falschen Eingabe einer zufälligen Buchstaben-Zahlenreihenfolge, ob es sich beim Gegenüber um einen menschlichen Nutzer oder ein automatisiertes Skript handelt, ohne jedoch den Sinn der zur Kommunikation entwickelten Zeichen zu erkennen.

Millionen Menschen spielen weltweit das Computerspiel Counterstrike. Idee des Projekts Dust ist es, diese virtuelle Spieleumgebung, die nur aus wenigen Räumen besteht, "lebensgroß" in einem begehbaren Ort in der Realität nachzubauen, als einen Ort des kulturellen Gedächtnisses, den bisher niemand betreten hat. Dust ist ein langfristig angelegtes Projekt. Mit einem 3D-Modell und C-Prints der Zeichnungen bildet Aram Bartholl erstmals die Räumlichkeiten ab.

Neben zahlreichen Workshops und Performances wurden Bartholls Arbeiten u. a. ausgestellt im Portsmouth Museum of Art, USA, KUMU Art Museum, Tallinn, NIMK Netherlands Media Arts Institute in Amsterdam, Eyebeam, New York, Kunsthal Amersfoort, Niederlande, FACT, Liverpool und im Kunstverein Hamburg. Aram Bartholl lebt und arbeitet in Berlin.

„Fighting back computer“ - Nam June Paiks Motto „Fighting back television“ auf die heutige Zeit umgesetzt – so kann man die Basis von JODIs Arbeiten formulieren, eine starke Auseinandersetzung mit dem mächtigsten Medium unserer Generation. Alex Galloway verweist in seinem brillanten Essay „Wrong Browser“ zur Recht auf die Aggression und die Zerstörung, die den Arbeiten von JODI zugrunde liegt - Zerlegen von den gewohnten nutzerfreundlichen grafischen Oberflächen, das Hervorrufen von automatischen Abläufen in dem Computer, die der Nutzer nicht bewusst hervorgerufen hat und in die er nicht mehr eingreifen kann -, aber auch auf das Entstehen von etwas Neuem, Unerwarteten aus diesen Zerstörungsprozessen. JODI lösen die Struktur des Internets mit ihren Arbeiten auf, sie dringen ein in das Innerste des Computers und bearbeiten in ihren Performances das Internet auch physisch, wie z. B. in Folded Screen Series durch Zerknautschen eines aus flexiblen LEDs bestehenden Screens, der mit dem Internet verbunden ist, oder Einwickeln des Körpers in denselben. Über Wrong Browsers schreib Galloway: „In den Anfängen des WWW gab es aus praktischen Gründen nur eine kleine Anzahl von Domain-Erweiterungen, wie „.com“, „.net“ und „.org“. Gleichzeitig nahmen die Erweiterungen, die sich auf spezielle Länder bezogen, an Wichtigkeit zu....Aber anstatt diese neue Möglichkeit für länderspezifische Webpräsenzen zu nutzen, löste der Zusammenprall der Offline- mit der Online-Welt eine tiefe Enttäuschung in JODI aus, da diese speziellen nationalen Kontexte standardisiert und abgeschwächt wurden, weil sie auf das gleiche semantische Level angeglichen wurden wie die Dot-com-Domains. Wenn „.com“ und „.de“ letztendlich inhaltlich gleich sind, warum gibt es dann eine Spezifizierung? Das war der Auslöser für Wrong Browser. JODI wollten ihre Enttäuschung über die neubegründete Standardisierung durch nationale Domainnamen-Erweiterung ausdrücken.“

JODI haben u. a. ausgestellt im Stedelijk Museum, Amsterdam, National Taiwan Museum of Fine Arts, Guggenheim Museum, New York, SFMOMA, San Francisco, Centre Pompidou, Paris, Nam June Paik Center, Korea, Hartware Medien Kunst Verein, Dortmund, NTT/ICC, Tokio, ZKM, Karlsruhe, Witte de With, Rotterdam, sowie auf der Documenta-X, Kassel (1997). Sie leben und arbeiten in Dordrecht, Niederlande.